Der Subkontinent besitzt größtenteils ungenutzte Vorkommen der kritischen Rohstoffe, während das europäische Land seine nachgelagerte Industrie ausbaut.
Indien und Frankreich wollen ihre bilaterale Zusammenarbeit ausbauen. Dies gaben die beiden Regierungschefs Emmanuel Macron und Narendra Modi in einem gemeinsamen Statement bekannt. Zu den strategischen Bereichen, in denen die Kooperation verstärkt werden soll, gehören Energie, Raumfahrt, Künstliche Intelligenz und Verteidigung sowie die für diese Technologien benötigten kritischen Mineralien, insbesondere Seltene Erden. Beide Länder wollen ihre Kräfte bei der Exploration, Gewinnung, Verarbeitung und Recycling dieser Ressourcen bündeln, um die Lieferketten diversifizierter und widerstandsfähiger zu machen.
Wie bei vielen anderen Nationen steht hinter diesem Bestreben das Ziel, in Zeiten wachsender geopolitischer Spannungen die Importabhängigkeit vor allem von Rohstoffgigant China zu verringern. Sowohl Indien als auch Frankreich sind dazu bereits neue Partnerschaften eingegangen. Ihre jüngste bilaterale Absichtserklärung dürfte künftig auch von dem kürzlich beschlossenen Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU profitieren.
Indien will seine Vorkommen Seltener Erden stärker nutzen
Der ressourcenreiche Subkontinent ist bereits ein bedeutender Produzent von Rohstoffen wie Kohle, Eisenerz und Chrom, darunter auch einige wie Mangan und Baryt, die von der EU als kritisch für die eigene Wirtschaft eingestuft werden. Bei anderen Mineralien wie Seltenen Erden verfügt Indien über erhebliche Vorkommen, die bislang jedoch nur in geringem Maß gefördert werden. Noch begrenzter sind die Verarbeitungskapazitäten. Die indische Regierung will diese Infrastruktur ausbauen, auch um den wachsenden Hightech-Sektor des Landes besser zu versorgen. Zu den bereits in die Wege geleiteten Maßnahmen zählen Zollbefreiungen für Rohstoffe und Subventionen für nachgelagerte Produktionsbereiche, etwa die Magnetindustrie.
Frankreich könnte zu einem europäischen Zentrum der Seltenerdbranche werden
Frankreich ist in der Seltenerdbranche dagegen bereits eine relevante Größe. An der Atlantikküste betreibt Solvay eine der wenigen Raffinerien außerhalb Chinas. Angesichts der strategischen Bedeutung Seltener Erden will der Konzern seine Kapazitäten deutlich ausbauen.
Ein weiteres Werk für Recycling und Raffinierung von Seltenen Erden entsteht derzeit im südfranzösischen Lacq. Dort baut das heimische Unternehmen Caremag mit Unterstützung der französischen und japanischen Regierungen eine Produktionsanlage. Am selben Standort errichtet Less Common Metals, ehemals britisch und inzwischen Teil des US-Seltenerdkonzerns USA Rare Earth, eine Fabrik für Seltenerdmetalle und -legierungen. Bei ihrer Fertigstellung wäre auch diese Anlage eine der wenigen ihrer Art außerhalb Chinas.
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